Elefanten auf 12 Uhr !

Mit etwas Verspätung melde ich mich mit meinem wöchentlichen Bericht *hust* zurück. Das mit dem wöchentlich konnte ich leider nicht einhalten, aber besser spät als nie. Die letzten zwei Wochen waren im Vergleich zu vorher etwas ruhiger. Mal sehen was meine Erinnerungen so hergeben, fangen wir mal an …

Woche 3

Von Montag bis Freitag war ich in meinen Büros (Ja, ich habe gleich zwei) bei der HSS. Wer sich jetzt fragt, was ich eigentlich dort den ganzen Tag treibe, dem möchte ich das mal an dieser Stelle erläutern.

Meine Hauptaufgabe besteht darin, bei der Organisation & Planung von Seminaren zu helfen. Dazu zählt das Erstellen/Bearbeiten/Ausdrucken von Handouts, Handbooks, Worksheets, Powerpoint Präsentationen, Broschüren. Des weiteren schaue ich, dass die Unterlagen zu den jeweiligen Kursen beisammen und auf dem neuesten Stand sind. Nachdem ich so Formatierungs-Geil bin, vergehe ich mich gerade an sämtlichen Powerpoint Präsentationen und verpasse denen ein schöneres Layout. Manche Leute scheinen einfach kein Auge für ein gutes Layout zu haben. Und natürlich begleite ich unsere Trainer als Assisstent mit zu den Seminaren. Einmal durfte ich sogar ein wenig über die Arbeit der Jungen Union bei uns im Ort erzählen. Falls ich mal mit der Arbeit rund um die Seminare fertig bin, was aber bisher nicht der Fall war, ist und auch sein wird, arbeite ich für das IMLT (Institute for Management and Leadership Training), ein Partner der HSS. Aber weil eben alles ist wie es ist, springe ich täglich von einem Büro ins andere und wieder zurück. Beim IMLT kümmere ich mich um den Satz & Layout von Broschüren, Pflege von Webseiten und sowas. Mit mir kann man das eben machen, jung und dynamisch ^^. Soweit zu meiner Arbeit.

Abends war ich dann meistens  unterwegs. Beim abendlichen Festakt zum 100-Jährigen Jubiläum der Deutschen Höheren Privatschule in Windhoek (DHPS). Beim Fußball spielen und anschließend in der Kneipe. Zum Essen beim Inder. Beim Stammtisch von ein paar Bekannten. Oder auch einfach mal „zu Hause“.

Am Wochenende hatte ich quasi frei. Samstags war ich erstmal zum Brunchen bei der DHPS, das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Nachmittags nahm mich Hans (einer unserer Trainer) mit zu einer Veranstaltung vom Traditionsverein. Hier begegneten mir ein paar Personen, welche mit ihren Gedankengut offensichtlich in einer anderen Zeit hängengeblieben sind. Mehr will ich dazu nicht sagen. Ansonsten ein schöner Nachmittag, v.a. der Auftritt der Mädls von der Meerdorfer Musikschule war ganz nett. Abends durfte ich ein wenig Nightlife schnuppern, als ich mit einer Bekannten in der Weinbar und im El Cubano war.

Der Abschluss der Woche sollte besonders werden. Denn was kann man sich schöneres vorstellen als eine Farm Rundfahrt an einem sonnigen, warmen Sonntag? Richtig, einen ordentlichen Sonnenbrand den Tag darauf… aber der war es wert. Mit einem alten Toyota, etwas modifiziert damit man hinten drauf sitzen konnte, ging es über Stock und Stein. Ein platter Reifen mitten im Busch war inklusive. Unterschätzt habe ich unser Gefährt allemal, an manchen Passagen hätte ich einen Unimog für angebracht gehalten. Doch das Ungetüm hat sich überall durchgebissen. Hier müssen Autos noch richtig was aushalten. Das Beste war auch noch, als uns die Fahrerin auf irgendwelche Tiere aufmerksam machen wollte. Mit einer Hand hielt ich mich irgendwie fest, in der anderen Hand meine kiloschwere Kamera. Donnern wir voll in ein Schlagloch, ich kurz vorm Abheben, legt sie ne Vollbremsung rein. „Habt ihr nicht gesehen, da war was am Boden… Nicht gesehen?“! Ja ne, is klar ;). Alles in allem eine erlebnisreiche Fahrt, neben den Tieren und der schönen Landschaft.

Woche 4

Das übliche Tagesprogramm. Abends habe ich mich im Angesicht meiner rötlichen Färbung etwas geschont. Im Übrigen hab ich mal die alltäglichen Dinge wie Putzen, Einkaufen usw. erledigt. Muss ja schließlich auch gemacht werden. Am Mittwoch gabs dann ein kleinen Zwischenfall in der Wohnung. Bereits am Vorabend hatte ich mich gewundert, wieso das Wasser nicht fließt. Als am nächsten Morgen noch immer kein Tropfen floss, hab ich mir auch nichts weiter dabei gedacht. Wird am Abend schon wieder funktionieren … Wie ich dann abends erfahren habe, lief das Wasser schon wieder gegen Mittag, und zwar mitten in meine Wohnung. Mein Spülkasten vom WC ist nicht von der neuesten Generation. Der hängt über der Toilette und hat noch eine schicke Kette zum ziehen, kultig das Ding. Auf jeden Fall hat sich irgendwie der Schwimmer verfangen, als das Wasser wieder kam. Und dann lief das Wasser eben über und direkt in meine Wohnung. Glücklicherweise hatte ich nichts Kostbares herumliegen und der Fußboden ist komplett aus Stein. Insofern war’s nicht schlimm, v.a. weil es mein Nebenbewohner bemerkt hat, als er mittags zu Hause war. Der wohnte zuvor in meiner Wohnung und dem passierte mal dasselbe, weshalb er sich an das Plätschern erinnerte.

Auch dieses Wochenende fanden keine Seminare statt. Deshalb konnte ich am Samstag mit jemandem auf die Jagd gehen, auf die Pirschjagd. Springböcke standen auf der Abschussliste. Den Ersten hatten wir schon nach 10 min. erlegt. Ein glatter Schuss ins Herz aus etwa 150m, schön ausgeblutet ist er zugleich. Das wird gutes Fleisch. Für den zweiten Springbock hat es dann etwas mehr Zeit in Anspruch genommen. Quer durch den Busch haben wir die Herden verfolgt, auf der Suche nach dem richtigen Kandidat, ein älteres Männchen. Es war auch immer wieder witzig den Springböcken beim rumhopsen zuzusehen, sieht einfach ulkig aus. Irgendwann war auch der Zweite Springbock gefunden und aus etwa 120m zur Strecke gebracht. Zwischendurch hätten wir fast einen Schakal erwischt, der ist er aber gerade noch rechtzeitig im hohen Gras verschwunden. Glück für ihn. Die zwei Springböcke machen jedenfalls keinen Hupfer mehr. Nach einer kleinen Mittagspause fuhren wir noch zum Vergnügen durch die Farm. Leider gab es kaum Wild zu sehen, die Tiere verkrochen sich im grünen Gebüsch. In ein paar Wochen ist Schluss mit Verstecken Spielen, dann beginnt die Trockenzeit.

Und als wenn ich nicht schon genügend Tiere gesehen hätte, besuchte ich am Sonntag zusammen mit Hans und einem Bekannten die Omaruru Game Lodge. Alle möglichen Tiere soll man da sehen. Ob sich die etwa 3 stündige Anfahrt gelohnt hat? Ich sags mal so: Wenn man bisher fast nichts gesehen hat, ja, ansonsten, nein. Jedenfalls ist das unsere Erfahrung. Deshalb war der Ausflug etwas enttäuschend. Ich hatte schwer darauf gehofft, eines der Big Five zu sehen („Die großen Fünf“: Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard). Zu Beginn des Game Drives sah es gar nicht mal so schlecht aus, nach ein paar Minuten vereinzeltt Strauße, zahlreiche Antilopen und am Horizont Elefanten. Unser Fahrer war ab dem Augenblick nur mehr auf die Elefanten fixiert, der wollte die uns unbedingt zeigen. Und wir wollten auch unbedingt zu den Elefanten. Also fuhren wir los, um den Spuren der Elefanten nachzugehen. Leichter gesagt als getan. Selbst unser schwarzer Guide, von dem man es ja irgendwie erwartet, dass er die Elefanten findet, tat sich schwer. Klar, man kann natürlich nicht überall entlang fahren, somit ist das gar nicht so einfach. Vor allem nachdem alles relativ grün und zugewachsen ist. Nach etwa einer Stunde sind wir wieder an der gleichen Stelle rausgekommen, wo wir reingefahren sind. Die Elefanten waren immer noch am Horizont, nur ein kleines Stückchen weitergewandert. Also wieder rein in den Busch, diesmal haben wir andere Wege eingeschlagen. Teilweise war unser Fahrer dann ein wenig frustriert und ist querfeldein gefahren. Selbst ich meine, dass wir von der Orientierung her gar nicht mal so schlecht lagen. Aber von den Elefanten war weit und breit keine Spur. Nach geschlagenen zwei Stunden waren wir abermals an der Ausgangsposition. Diesmal waren auch die Elefanten nicht mehr zu sehen, einfach verschwunden. Sichtlich waren wir alle enttäuscht. Unsere Tour war eigentlich nur für 1,5 Stunden gebucht, jetzt haben wir schon 2 Stunden vergeblich Elefanten gesucht. Es ist ja nicht so, als hätten wir nichts gesehen. Zwischendurch sah man immer wieder Strausse, Giraffen, Zebras, Schakale, allerhand Antilopen und vieles mehr. Aber eben nicht die Elefanten. Kurz vor der Lodge blieben wir in einem Schlammloch stecken, das war die Krönung des Tages. Wenigstens haben wir zum Schluss drei Geparden und einen Leoparden gesehen. Jedoch waren die in einem größeren Gehege, weshalb das nicht wirklich zählt. In Zoo gehen kann ich zu Hause auch.

Einfach kein Glück an diesem Tag, was soll man da machen. Aber noch ist ja genügend Zeit …

Die nächsten Wochen stehen erstmal einige Seminare auf dem Programm.

Bis dann,


Frank

Auf Achse

Es ist Freitag am frühen Morgen, Wolfgang (mein Chef) erteilt mir die letzten Anweisungen für die nächsten Tage. Was mich genau erwarten wird, wusste ich selbst nicht. Soweit ich das aber mitbekommen habe, soll ich ein Ehepaar begleiten, das sich für Kinderhilfe in Namibia engagiert. Wie ich später herausfand, sind die beiden bei der Organisation Kiwanis aktiv. So weit, so gut.

Gegen Mittag haben wir dann das Auto abgeholt, mit dem ich die nächsten Tage meine Passagiere durch die Gegend kutschieren durfte. Um halb 3 habe ich das Ehepaar Katz am Flughafen abgeholt. Einzigst deren Gepäck kam nicht dem Flugzeug aus Johannesburg an, sollte dann aber mit der nächsten Maschine eintreffen. Währenddessen waren wir dann schnell in Windhoek und haben eine Kleinigkeit gegessen. Zurück am Flughafen gegen 16.30 Uhr fehlte vom Gepäck noch immer jede Spur. Laut Auskunft der Airline hätte man keine Ahnung, wo sich die Koffer zur Zeit befinden. Unglücklicherweise standen wir aber etwas unter Zeitdruck, da wir noch am selben Tag eine längere Strecke zur Farm Aberfelde zurücklegen mussten. So machten wir uns um 17.00 Uhr auf den Weg, etwa 320 km galt es zu bewältigen. Eigentlich nicht viel, allerdings wusste man ja nicht wie das Wetter wird und Fahren bei Nacht ist wegen dem Wildwechsel nicht ganz ungefährlich. Das erste Stück über Windhoek nach Okahandja lief einwandfrei. Auf dem Weg nach Otjiwarongo fuhren wir dann mitten in eine dicke Regenfront. Der Scheibenwischer war sichtbar überfordert. Zu meinem Glück ging die Straße zu 99% immer geradeaus. So hab ich wenigstens nicht im Schneckentempo fahren müssen, falls ich nur ungefähr die Straßenkonturen erkennen konnte. Keine Angst, alles unter Kontrolle *gg*! Schließlich hab ich uns sicher zur Farm gebracht. Zwar haben wir uns einmal ein kleines Stückchen verfahren, da wir eine Abzweigung nach einer Eisenbahnbrücke, nachdem es schon dunkel war, verpasst haben. Aber diese Pseudo-Eisenbahnbrücke war beim besten Willen Nachts nicht zu erkennen (Pseudo deswegen, weil unter dieser Brücke irgendsoeine Miniatur Eisebahnschiene verlief). Zum kulinarischen Einstieg und gleichzeitigem Ausklang des Abends servierte uns der Farmer Herr Gomoll einen 50cm langen Schaschlik-Spieß frisch vom Grill, zubereitet mit besten Wildfleisch (Kudu) von der Farm.

Am nächsten Tag machten wir uns in aller Früh auf den Weg zum etwa 120 km entfernten Waterberg, ein markanter Tafelberg. Dieser ist bekannt für die Schlacht der deutschen Schutztruppe gegen das Volk der Herero im Jahre 1904.

Am späten Nachmittag kehrten wir nach Aberfelde zurück. Eigentlich stand noch eine Farm Rundfahrt auf dem Tagesprogramm, doch eine Regenschauer hinderte uns daran. Die Zeit bis zum Abendmahl ging dann irgendwie vorbei. Auch diesmal gabs wieder reichlich zu Essen. Zum Einstieg eine Boerewors (eine aufgerollte Bratwurst). Als Nächstes ein Lammfleisch, auch sehr lecker. Und zum Abschluß nochmal Verschiedenes vom Kudu. Irgendwann musste ich kapitulieren, es ging einfach nichts mehr rein. So ging ich dann relativ früh schlafen.

Ein neuer Tag brach an, Sonntag, kurz nach Sonnenaufgang. Es war zwar etwas bewölkt, aber das Wetter war gut genug um auf die Farm rauszufahren. Mittlerweile traf auch das vermisste Gepäck auf der Farm ein, glücklicherweise unversehrt. Nach einem schnellen Frühstück fuhren wir dann mit dem Jeep los. Zusammen mit Herrn Friedel, Hobby Jäger und ein guter Freund des Farmbesitzers, war ich etwa 2 Stunden auf einem Jagdstand auf der Lauer nach Tieren. Bis auf ein paar Vögel und ein Erdmännchen war nichts zu sehen, schade. Wenigstens lief  auf der Fahrt immer wieder mal ein Kudu über den Weg. Leider waren die Tiere immer so vorsichtig dass ich kein Bild machen konnte. Um wenigstens nicht ganz leer auszugehen, fing ich mit meiner Kamera einen mächtigen Termitenhügel ein. Solche Termitenhügel findet man eigentlich fast überall in Namibia, oftmals mehrere Meter hoch. Gegen Mittag waren wir  von unserem kleinen Trip zurück. Die Zeit bis zum Essen nutzte ich, um ein wenig die Farm zu fotografieren, u.a. auch das Haustier, ein Pfau.

Dass es auch diesmal Fleisch gab, muss ich glaub nicht erwähnen. Schmackhaft zubereiteter Rinderschmorbraten bis zum satt werden, was braucht man mehr? Richtig, ein kühles Bier dazu. Außerdem ist Wolfgang an diesem Tag zu uns gestoßen, bisher war ich ja nur mit Frau und Herr Katz unterwegs. Am Nachmittag begaben wir uns mit zwei Autos auf den Weg zur Farm Sachsenheim. Herr Gomoll und Friedel, die sich u.a. bei Kinderhilfe Namibia engagieren, fuhren bei Wolfgang mit. Die rund 270 km liefen wie von selbst, das Wetter bereitete diesmal kaum Probleme. Nur in Tsumeb hatten wir einen kurzen Aufenthalt. Glück hatten wir auch, als vor uns ein LKW fuhr und wir im Moment nicht überholen konnten. War doch links im Gebüsch die Polizei mit der Radarfalle. Mein Vordermann legte nämlich ein gutes Tempo vor. Nur zur Info, erlaubt sind hier 120 auf den Straßen. (Auf den Asphaltstraßen natürlich; auf den Pads sollte man deutlich langsamer fahren)

Am Montag besuchten wir zunächst zwei Primary Schools, bei einer sollte ein Kindergarten übergeben werden. Wegen dem regnerischen Wetter in letzter Zeit ist das Gebäude aber leider nicht ganz fertig geworden. Die Anfahrt zu den beiden Schulen war relativ problemlos, nur ein paar Kilometer Sandstraße. Dabei begegneten uns immer wieder Schüler, die gerade auf den Weg zur Schule waren. Ein Fußmarsch von teils mehreren Stunden am Tag gehört hier zum Alltag.

Auf dem Weg zur nächsten Schule ging es dann irgendwann nicht mehr weiter, der Pfad war einfach unpassierbar. Der Regen hatte den Sandstraßen in den letzten Wochen sehr zugesetzt und die Gebiete waren stellenweise ziemlich überschwemmt. Und wie es das Schicksal so wollte, fuhr Wolfgang irgendwie einen Platten. Reifenwechsel im Busch, da packte selbst der Schulleiter mit an, den wir ein Stück mitgenommen haben. Die Schrauben waren aber so fest angezogen, dass wir zunächst mit dem Platten weiter gefahren sind. Im nahe gelegenen Ort kümmerte sich dann die örtliche Werkstatt um die Reifenpanne. Somit endete hier das offizielle Programm, alles war jetzt etwas durcheinander geraten. Die Schule sollte doch aber gespendete Güter erhalten. Kurzerhand haben wir diese dann 50 km weiter, nach Absprache mit dem Schulleiter, im nächsten Ort hinterlegt. Im Weiteren war jetzt unklar, ob wir noch den Besuch einer letzten Schule, eine Combined School, riskieren sollten. Laut einem Lehrer, der uns begleiten sollte, seien es nur etwa 7 km durch den Busch. Es waren aber eben 7 namibische Kilometer, am Ende zählten wir nämlich 25 km. Und die Strecke hatte es in sich. Ohne 4×4 ging hier gar nichts, die Wassersstellen war an manchen Abschnitten über einen halben Meter tief. Und ich war Fahrer, juhu! An einer Passage bin ich mit etwas zu viel Schwung rein und das Wasser schwappte voll über die Motorhaube. Das ging aber noch gut aus, hätte aber auch anders laufen können. Ansonsten hab ich das ganz gut gemeistert. Letztendlich war es ja auch ein Heidenspaß in der Pampa zu fahren. Und die ganze Tortour hatte sich auch gelohnt. Die Schule freute sich wahrlich über die Unterstützung. Als Dankeschön performte sogar die Tanzgruppe der Schule, einmalig sag ich euch! Ein erlebnisreicher und eindrucksvoller Tag ging zu Ende.

Dienstag stand ganz in Rahmen des Etosha National Park. Frühmorgens kamen wir am östlichen Eingang Namutoni an und hatten nun den ganzen Tag Zeit, um die etwa 140 km durch den Park entlang der Etoshapfanne bis nach Okaukuejo zurückzulegen, mit einem Stop in Halali. Schönstes Wetter hatten wir tagsüber. Das änderte aber nichts daran, dass leider einige Nebenwege gesperrt waren, eben wegen des vielen Regens. Dies hatte auch zur Folge, dass die Tiere manchen Wasserstellen fern blieben weil es überall ausreichend Wasser gibt. Trotzdem lief uns so einiges über den Weg, wenn wir auch Elefanten, Löwen und Nashörner vermissten. Jedoch hoffe ich, dass ich in der Trockenzeit mal die Gelegenheit habe, nochmals in den Etosha National Park zu fahren. Alles in allem ein schöner und sonniger Tag.

Mittwochs traten wir dann die Rückreise nach Windhoek an. Diesmal hatte ich schon wieder Glück. Vor mir ist einer in die Radarfalle gefahren und ich konnte noch rechtzeitig abbremsen. Die standen aber auch ziemlich fies, nach einer Kuppel die Straße abwärts. Da lässt man es gerne mal ein wenig laufen … Allgemein muss ich auch sagen, dass die Straßen hier zum schnell fahren verleiten. Meistens geht’s kilometerlang schnurstracks gerade aus, die Kurven sind meist sehr lang gezogen. Und seltsamerweise ist der Druckpunkt vom Gaspedal bei etwa 140 sehr angenehm. What shalls, bisher hab ich noch nicht zahlen müssen. Am Abend waren wir nochmal gemeinsam essen bei Joe’s Beerhouse. Als Schmankerl kam diesmal neben Chicken, Kudu & Co auch ein Stückchen Krokodil auf den Teller. An das Essen hier kann man sich wirklich gewöhnen.

Wie die Zeit vergeht, schon wieder Donnerstag. Nachdem ich meine beiden Begleiter wieder am Flughafen abgesetzt habe, sollte es eigentlich ein relativ ruhiger Tag werden. Abends hätte ich dann mal endlich Zeit um meine Fotos zu bearbeiten. Doch wie ich dann erfahren durfte, war für den nächsten Tag ein Seminar in Talismanis (im Gebiet des Herero Volkes) angesetzt. Das liegt in etwa 420 km östlich von Windhoek, nahe der Grenze zu Botswana, mitten im Nirgendwo.

Hier möchte ich noch kurz einschieben, welche Art von Seminaren die HSF anbietet. Generell dreht sich alles um management & leadership training. Auf Grund der anstehenden Präsidentschaftswahlen in diesem Jahr liegt zur Zeit der Schwerpunkt bei der politischen Bildung. Jene Seminare können von allen Parteien völlig kostenfrei angefordert werden. Man will damit erreichen, politisches Verständnis und gewisse Fähigkeiten zu vermitteln. Aber nicht in etwa das Parteiprogramm einer Partei zu diskutieren. Sozusagen völlig neutral. Die Seminare bewegen sich eher auf niedrigem Niveau weil einfach die Grundlagen fehlen. In der Schule hatte man sowas nie gelernt, selbst die Verfassung kannte man bis dato nur vom Hörensagen.

Am selben Tag begab ich mich noch zusammen mit einem unserer Trainer Hans auf den Weg dorthin. Die Nacht verbrachten wir in der Zelda Lodge, bei der wir am nächsten Tag abgeholt wurden und über die 160 km Pad Straße bis nach Talismanis fegten.

Das Thema des Kurses an diesem Tag: Leadership training – Establishment of local party branches. Das beinhaltete auch einen kleinen Einstieg in die Grundlagen der Poltik, bspw. die Definition von Demokratie oder auch die SWOT analysis der eigenen Partei (Strengths, Weaknesses, Opportunities, Threats). Dort angekommen, baute ich erstmal Notebook und Beamer auf und richtete noch verschiedene Unterlagen her. Ja, Strom gab es dort. Der war auch wichtig für die örtliche Dorf-Disse, aus der schon am Mittag laute, basslastige Musik tönte. Dort begegnete mir auch gleich der Dorftrottel, also außerhalb der Kneipe. Rein gegangen bin ich da nicht. Aber dazu gleich mehr. Auf alle Fälle sollte das Seminar gegen 9 Uhr beginnen, wegen ein paar Verzögerungen haben wir das auf 10 Uhr korrigiert. Die Bewohner interessierte das aber reichlich wenig. Immer wieder verschwanden ein paar und tauchten eine Weile später wieder auf. Bis um 12 Uhr trudelten so die Letzten ein. Der Gedanke lag nahe, dass einige wohl nur wegen dem Essen gekommen sind. Und nein, die waren keineswegs unterernährt, manchmal eher das Gegenteil. Bei einigen Teilnehmern hatte man auch den Eindruck, dass die nur Bahnhof verstanden haben. Damit meine ich jetzt die mitgeschleppten Buschleute, die Sklaven der Herero, die offensichtlich weder schreiben noch lesen können. So wie ich das richtig mitbekommen habe, lassen sich deren Stimmen bei Wahlen auch recht einfach mit einem Essen kaufen. Eine traurige Angelegenheit, wie ich finde. Jedenfalls war es dann bald Mittagszeit. Die Essen musste von der Partei selbst organisiert werden, die Kosten mit einem bestimmten Tagessatz übernahmen wir. Ich war dann noch kurz bei der Wirtschaft, welche für die Teilnehmer gekocht hat und habe nach dem Rechten gesehen. Das warme Fleischgericht sah wirklich ordentlich aus, da konnte man nicht meckern. Und als ich eben in der Wirtschaft war, lief mir dieser Typ, ich betone Typ, über den Weg. Halb verfaulte Zähne, modrige Kleidung, bestialischer Gestank und eine Alkoholfahne die schon von weit her roch. Dann fing er auch noch an, mich in einem einigermaßen verständlichen Englisch vollzujammern. „Iam supposed to …“, ja ja, er wäre ja so gerne ein Weißer und zeigte mit seinen Schmutzfingern auf meine Haare, „I should have …“! So ging das weiter bis er auch noch nach Geld für Zigaretten bettelte, nachdem ich meine zwei Coke bezahlt habe. Nichts dergleichen gab ich ihm. So spielt hier die Musik. Freitag Mittags schon rotzbesoffen. Das war aber wirklich nur die Ausnahme. Die meisten Leute hier sind nett und freundlich. Meist tragen auch alle saubere und ordentliche Kleidung, ganz egal ob im Busch oder in der Stadt. Nicht das hier noch ein falsches Bild entsteht. Ein Handy hat hier fast jeder, das mag man gar nicht glauben. Mitten im Busch kann man durchaus einen Shop für Prepaid Karten finden, meist nicht unweit von den Meter hohen gestapelten Bierkisten entfernt. (Als kleine Information am Rande: Telefonieren kostet etwa 15 Cent/min, eine SMS verschicken 3 Cent) Aber wie gesagt, das war nur der Dorftrottel so wie ich mir das hab sagen lassen. Der Kurs war dann gegen etwa 16 Uhr zu Ende. Einige scheinen wirklich was gelernt zu haben, das hat man doch deutlich gemerkt. Bevor die Teilnehmer mit reichlich Lesematerial nach Hause gehen durften, sollten sie noch einen Evaluierungs Bogen ausfüllen. Die Kommentare waren mal wieder typisch für die Hereros. Hatten die sich doch überwiegend über das Essen beschwert. Man solle doch mehr Geld dafür ausgeben, am Besten bar in die Hand! Über den eigentlichen Kurs fielen nur wenige Worte. Mir fehlt hier jederlei Verständnis, euch geht es bestimmt genauso. Nichtsdestotrotz ging ein wirklich interessanter Tag zu Ende, auch wenn man über manches noch Stunden später nachgrübelte. Gegen 23 Uhr waren wir dann nach einer langen Heimfahrt wieder zurück in Windhoek.

Gestern fand ein Weiteres Seminar für eine Partei direkt hier in Windhoek statt. Mit einem ähnlichen Thema, democracy in Namibia, aber einem höherem Niveau. Das lag zweifelsohne an den Teilnehmern. Mit einer regen Beteiligung am Kursgeschehen entwickelten sich lebhafte Diskussionen, ganz zur Freude des Trainer Dr. Hartmann. Man merkte doch deutlich, dass die Anwesenden Verständnis für die Materie hatten. Über das Essen meckerte diesmal kaum einer.

Zwei Tage, zwei unterschiedliche Kurse aber beide Male sehr interessant. Die Teilnehmer haben eine Menge Wissen mitgenommen, das ist keine Frage. Damit ihr euch das besser vorstellen könnt: Erinnert euch einfach an Sozialkunde Unterricht in der 9./10. Klasse. Im Prinzip war das nichts anderes. Ist auch kein Wunder, wenn all die Jungpolitiker das in der Schule nie gelernt haben.

Heute genieße ich meinen freien Tag und werde ausgiebig auf der faulen Haut liegen. Ein wenig Entspannung brauch ich schließlich auch.

Der nächste Bericht kommt bestimmt bald,

Frank