Routine kehrt ein

Mit einem kleinen Nachtrag meld ich mich zurück aus Windhoek. Ursprünglich wollte ich dem letzten Beitrag noch etwas hinzufügen. Ich habe mich aber dazu entschieden, es dem nächsten anzuhängen. Deshalb beginne ich diesen Eintrag mit der ersten Aprilwoche.

Jene Woche brachte ein Novum mit sich. Erstmals wurde die HSF von der namibischen Polizei eingeladen, um über verschiedenste Themen (vorwiegend „organisational skills“) zu referieren. Die Zielgruppe bildeten mittlere bis höhere Beamte aus fast allen 13 Regionen Namibias. Somit war ich mit unseren Trainern von Montag bis Freitag im Israel Patrick Iyambo Police College in Windhoek vor Ort. Ich habe mir sagen lassen, dass diese Einrichtung erst vor ein paar Jahren von Chinesen errichtet wurde. Wenn man das nicht an den bereits zahlreich vorhandenen Baumängeln vermutet hätte. Jedenfalls hat man nicht nur in Europa mit den Chinesen zu kämpfen. Es fällt selbst einem namibischen Bauunternehmer schwer, einen Stundenlohn von 2 N$ (nicht einmal 20 € cent) zu unterbieten. Um wieder auf das Wesentliche zurückzukommen … die Kursteilnehmer waren die Besten, die ich bisher erleben durfte! Eine aktive, humorvolle, wissensdurstige und intellektuelle Gruppe. Solche Teilnehmer hätte ich mir in manch anderen Seminaren gewünscht. Man musste nicht das Gefühl haben vor dem Kurs einen Monolog zu führen. Ganz im Gegenteil, die Teilnehmer haben sich oft und gerne geäußert und obendrein Probleme innerhalb der Police Force geschildert. Das war insofern von Bedeutung, da man den jeweiligen Kurs individuell an die Wünsche und Bedürfnisse der Beamten anpassen konnte. Insgesamt eine rundum sehr gelungene Seminarwoche mit durchweg positiver Resonanz. Ich kann nur hoffen, demnächst wieder einen oder mehrere Kurse für die Polizisten organisieren zu dürfen. Lachen musste ich, als ich dabei war die Evaluierungsbögen einzusammeln und gefragt wurde ob ich nicht selbst einmal einen Kurs halten könnte. Sie würden doch gerne meine Stimme hören! Ja, das waren schon ein paar Spaßvögel :-)

Das Wochenende war recht entspannend. Endlich ausschlafen, wie ich das die letzten Wochen vermisst habe. Einfach bis um 11 Uhr schlummern, ach wie schön. Am Samstagabend hat mich mein Chef zum Grillen eingeladen, da hab ich natürlich nicht nein gesagt. Ferner wurde am Sonntag die Zeit umgestellt, jedoch eine Stunde zurück. Das heisst, dass es jetzt relativ früh dunkel wird. Bereits gegen 18 Uhr verschwindet die Sonne am Horizont. Allmählich kommt der Winter, man merkt es. Ansonsten konnte ich noch ein paar Kleinigkeiten erledigen und war somit das Wochenende über beschäftigt. Der Kühlschrank füllt sich ja leider nicht von selbst …

Alltag erfüllte die darauffolgende Woche, jedoch eine kurze Woche. Ostern stand unmittelbar vor der Tür und schenkte mir ein verlängertes Wochenende, juhu! Diese Gelegenheit nutzte ich um an die Küste zu fahren. Am Freitagvormittag gings in Richtung Okahandja, von dort aus weiter über Karibib und Usakos nach Swakopmund. Die bösen Cops haben uns kurz nach Windhoek mit ihrer Speedpistol rausgezogen, ein paar km/h zu schnell gefahren. Ich bin nicht gefahren, um das mal klarzustellen. Sondern lediglich bei jemanden mitgefahren. Die Strafe über 125 N$ war zu verkraften (etwa 10 €). An dieser Stelle will ich nicht den Namen einer gewissen Organisation erwähnen, die auf den genialen Einfall kam, den Polizisten noch mehr von diesen Speedpistols zu schenken. Wie auch immer, am frühen Nachmittag kamen wir sicher und ohne weitere Strafzettel in Swakopmund an. Mein Fahrer hat mich bei meinem Hotel abgesetzt, unterwegs war ich schließlich alleine. Am Nachmittag hab ich mich erstmal ein wenig in Swakopmund und vor allem am Strand umgesehen und das schöne Wetter bei herrlichem Blick auf den Atlantik genossen. Pünktlich zum Abendessen begab ich mich allmählich auf den Weg ins Tiger Reef. Eine stylische, auf den Sand gebaute Beach Bar direkt am Strand. Ein wahrlich feuchtfröhlicher Abend. Mein Müsli am nächsten Morgen habe ich mehr angestarrt als ausgelöffelt, so richtig Hunger hatte ich nicht. Insider wissen, was das heisst ;). Der Tag war somit halbwegs gelaufen, fast jedenfalls. Kurz vor Sonnenuntergang zog ich mit meiner Kamera los um diesen schönen Moment festzuhalten. Und einen erneuten Besuch in der Beach Bar lies ich mir nicht nehmen. Bis dahin war ich schon wieder fit! Diesmal ging ich die Sache aber etwas langsamer an und lernte bei geselliger Wasserpfeiffenrunde viele neue Leute kennen.

Am Ostersonntag hab ich beim Frühstücksbuffet gleich doppelt zugelangt, kein Vergleich zum Vortag. Schließlich galt es ja einiges nachzuholen. Dabei durfte natürlich ein bunt bemaltes Osterei nicht fehlen. Auf dem Tagesprogramm stand der Besuch des Museum von Swakopmund und ein kleiner Abstecher ins Meeres Aquarium. Zum Festmahl gabs frische, leckere Calamari. Wenn man schon an der Küste ist, kann man wenigstens Fisch essen, dachte ich. Am späten Nachmittag hab ich ein erfrischendes Bad im kalten, rauen Atlantik genommen. Zum Schwimmen waren die Wellen jedoch zu hoch. Und wer hätte es gedacht, abermals verbrachte ich den Abend bei einem schönen Sonnenuntergang in der Beach Bar. Trotz allem musste ich am nächsten Morgen früh raus weil ich vor folgendes Problem gestellt wurde: Mein Fahrer ist schon frühzeitig am Sonntagabend zurück nach Windhoek gefahren. Da sein Handy kaputt war, konnte er mich nicht erreichen. Selbst die Telefonzellen wollten nicht funktionieren. An meiner Zimmertür fand ich wenigstens einen Zettel, auf dem er mir das mitgeteilt hat. Blöd gelaufen, sag ich mal. Aber das änderte nichts daran, dass ich nun irgendwie eine Mitfahrgelegenheit nach Windhoek suchen musste. Zunächst habe ich die Abreisenden im Hotel befragt, Fehlanzeige. Mir wurde dann empfohlen bei Shuttel Diensten anzurufen. Gesagt, getan. Die waren alle ausgebucht und zudem schon frühmorgens um 7 Uhr abgefahren. Na toll, dachte ich mir. Die letzte Möglichkeit, die man mir empfohlen hatte, war, auf den Mainliner zu warten – ein täglich verkehrender Bus zwischen Swakopmund und Windhoek. Die Aussichten auf einen Platz waren gering. Da noch bis 13 Uhr Zeit war, konnte ich in aller Ruhe durch Swakopmund spazieren und ein paar Fotos machen. Meine Idee, frühzeitig an der Haltestelle zu sein, hat sich dann ausbezahlt. Der Bus war eigentlich schon ausgebucht. Mein Argument zwei Stunden in der Mittagshitze hier gewartet zu haben war überzeugend. So hab ich einen eigentlich nicht vorhandenen Platz vorne beim Personal ergattern können, sozusagen in erster Reihe. Nach etwa fünf Stunden Fahrt bin ich am frühen Abend in Windhoek angekommen.

Vergangene Woche ist nichts besonderes geschehen, Alltag wie eh und je. Am Dienstagabend wie üblich Sport und am Mittwoch war noch Entwicklungshelferstammtisch. Das Wochenende hatte ich frei und konnte somit endlich mal zum Shoppen gehen. Zugegeben, mein Plan ist nicht ganz aufgegangen wie ich wollte. Gestern bin ich erst kurz nach Mittag Richtung Maerua Mall (DIE Einkaufsmeile in Windhoek) losgezogen. Nur blöd, dass die meisten Läden bereits um 13/14 Uhr geschlossen haben. Argh, wo gibt’s denn sowas … wieso schließen die am Samstag so früh? Andererseits haben die meisten Läden auch Sonntags geöffnet, zu den selben Uhrzeiten. Also hab ich mich heute etwas früher aus dem Bett bequemen müssen. An die Ladenöffnungszeiten muss ich mich definitiv erst gewöhnen.

Der nächste Bericht folgt bald, in schätzungsweise drei Wochen. Bis dahin,

Frank

Der Sonne entgegen

Fünf Tage, vier Kurse, dreimal Ziegenbock, zwei Orte und einmal wären wir fast im Sand stecken geblieben. So in etwa könnte man die vergangenen Kurse in Otjinene und Walvisbay beschreiben. Am späten Mittwoch Nachmittag, den 25. März, fuhren wir zunächst nach Otjinene, 250km nordöstlich von Windhoek. Ein Großteil davon auf Pad. Weit und breit kaum eine Spur von Zivilisation, in etwa alle halbe Stunde kam uns ein Auto entgegen. Irgendwie schön, stundenlang in einer so unberührten Landschaft und menschenleeren Gegend umherzufahren. Völlig ungewohnt für mich, einen Mitteleuropäer. Jedenfalls kamen wir rechtzeitig vor Sonnenuntergang in unserer „at least 5 stars“ Unterkunft Kaumbangere an, ein paar Kilometer vor Otjinene. Freundlich wurden wir von Billy in Empfang genommen, dem Manager sozusagen. Zum ersten Mal eine „Lodge“, die ein wenig afrikanisch war. Zum Trinken gabs nur „fruit juice, we only have fruit juice“. Na gut, daran kann Billy mit Sicherheit noch arbeiten. Abhilfe gabs in einem Store in Otjinene, endlich ein kühles Bier, der Abend war gerettet. Bevor es dann endgültig ins Bett ging, noch ein kurzer Blick auf die Sterne. Man konnte tatsächlich die Milchstraße klar und deutlich sehen, für mich ein Novum. Jedenfalls hab ich bei uns noch nie die Milchstraße nachts am Himmel erblicken können. Korrigiert mich, falls ihr anderer Meinung seid.

Die nächsten zwei Tage hielten wir Kurse wie z.B. „Democracy in Namibia“ für ein Jugendforum in Otjinene. Etwas erstaunt war ich, die Teilnehmer waren etwas älter als ich gedacht habe. Ich lies mir aber erklären, dass unter dem Begriff Jugend Personen im Alter zwischen 18-35 Jahren gemeint sind. Na gut, dann akzeptier ich das halt so. Besonders erwähnen muss ich noch die Organisatorin des Kurses, Aquilla. Sie wusste anscheinend mit Geld umzugehen. Zum Essen wurde kurzerhand ein Ziegenbock vor dem Haus geschlachtet. Für 300 N$ (etwa 25 €) genug Fleisch für zwei Tage und alle Kursteilnehmer. Na wenn sich das nicht mal für die liebe Aquilla gerechnet hat ;).

Am Freitagnachmittag, unmittelbar nach dem Kursende in Otjinene, brachen wir nach Walvisbay auf. Etwa 550km galt es an diesem Tag noch zu bewältigen. Den ersten Teil der Strecke fuhr Hans, den restlichen ich.Und damit direkt gegen die Sonne. Der Sonnenuntergang war zum Ansehen zwar ganz nett, der Himmel färbte sich langsam rot. Doch zum Fahren war das, trotz Sonnenbrille, sehr bescheiden. Fahren nach Gefühl war wieder angesagt *gg*. Bald aber verschwand die Sonne am Horizont und die letzten Kilometer durch die Wüste waren kein Problem. Nach einem kurzen Abstecher in Swakopmund, zum Essen natürlich, kamen wir dann sicher in Walvisbay am späten Abend an. An den darauffolgenden zwei Tagen standen wieder Kurse auf dem Tagesprogramm, diesmal für eine Partei. Das Kursniveau war deutlich höher als bislang und die Gruppe insgesamt hat mir persönlich ziemlich gut gefallen. Engagierte, junge Leute die eine Veränderung in der Politik Namibia’s erreichen wollen.

Nach so viel politischem Talk darf die Phase der Erholung natürlich nicht zu kurz kommen. Da bot der Ausflug zur Düne 7 eine willkommene Abwechslung. Wüste, in meinen Augen ein rießengroßer Sandkasten. Doch der Sand ist unberechenbar, wären wir doch fast auf dem Weg zu dieser berühmten Düne 7 im Sand stecken geblieben. Zum Glück fährt Hans ein kleines, leichtes Auto und ich konnte es mit letzter Kraft aus dem Sand schieben. Dann wäre da noch die Düne an sich. Von unten sah das ganze relativ einfach aus. Die ersten Schritte waren auch schnell gemacht, Barfuß natürlich. Mit der Zeit merkt man, was Sache ist. Vier Schritte nach vorne, drei Schritte zurück. Schließlich bin ich nach einiger Zeit oben angekommen und von Einheimischen mit einer Gipfelhalben empfangen worden … Erste Hilfe für den erschöpften Frank ^^. Die Anstrengung hatte sich gelohnt, ich wurde mit einem wunderschönen Sonnenuntergang belohnt.

Nach abschließendem Gruppenfoto in Walvisbay ging es am späten Sonntagnachmittag wieder zurück nach Windhoek.

Bis zum nächsten Bericht,

Frank