Die letzten Tage

Wie die Zeit vergeht. Irgendwie viel zu schnell wenn ich auf die letzten 18 Wochen zurückblicke. Viel habe ich erlebt und gesehen. Mit neuen Eindrücken und Erfahrungen werde ich in fünf Tagen meine Heimreise antreten. Auf der einen Seite freue ich mich natürlich wieder nach Hause zu kommen. Freunde, Familie und vieles mehr – meine Heimat eben. Auf der anderen Seite habe ich mich hier sehr gut eingelebt und es gefällt mir nach wie vor. Ginge es nach mir, könnte ich ruhig noch einige Monate hier aushalten. Natürlich vermisst man einige Dinge. Schon vor allem deswegen, weil man nicht alles im Flugzeug mitnehmen kann. Aber selbst wenn, das Leben hier hat Vor- und Nachteile. Was ich auf jeden Fall vermissen werde, ist das schöne Wetter. Seit meiner Ankunft hat es an etwa 14 Tagen wolkiges bis regnerisches Wetter gegeben. Die restliche Zeit meist klarer Himmel und Sonnenschein. Einfach super! Alleine schon deswegen könnte ich mir ein Leben in Namibia durchaus vorstellen. Aber soweit ist’s noch lange nicht, erst mal zurück nach Deutschland.
Bevor sich meine Zeit in Namibia dem Ende zuneigt, werfe ich einen ganzen Schwung Bilder in die Runde – von den vergangenen drei Wochenenden. Einen Roman dazu spare ich mir, in wenigen Tagen kann ich das jeden vom euch erzählen. Wer halt interessiert ist, versteht sich.

Angefangen mit dem Wochenende vom 05. – 07. Juni! Zusammen mit unserem Presenter Hans war ich in Kalkfeld, Tsumeb und Grootfontein. Workshops wie eh und je. Lediglich am Samstag habe ich einen kleinen Ausflug zum Lake Oshikoto gemacht, ganz in der Nähe von Tsumeb. Die Schutztruppe soll damals fein säuberlich ihr militärisches Gerät in diesem See versenkt haben. Im Museum von Tsumeb hätte man das herausgezogene Waffenarsenal und sonstiges anschauen können. Das war aber leider geschlossen. Genauso wie das Museum in Grootfontein. Schade eigentlich, aber was soll man machen.

Am darauffolgenden Wochenende war ich am Hardap Damm, den größten Staudamm in Namibia. Der Damm wurde 1963 fertiggestellt. Er misst eine Länge von 860m, eine Höhe von 40m und staut auf eine Länge von 30km. Der Stausee ist geradezu ideal um mit einem Boot zu cruisen und nach wilden Tieren Ausschau zu halten oder einfach nur ein Sonnenbad zu nehmen. Genau das haben wir ausgiebig gemacht! Die Mitfahrt auf einem Sea-Doo (Jetski) war natürlich ziemlich geil. Vor allem wenn man noch nie Motorrad gefahren ist. Ist ja fast dasselbe, nur eben auf Wasser und ein wenig andere Lenkung.

Und wer hätte es gedacht. Das vergangene Wochenende habe ich tatsächlich dazu hergenommen, um nochmal in den Etosha National Park zu fahren. Zusammen mit meiner Kollegin Tina sind wir am Freitag nach der Arbeit aufgebrochen. Diesmal hatte ich definitiv mehr Glück: Löwen, eine Herde Elefanten und sogar Nashörner. Von den letzteren habe ich leider kein Bild, da sie erst zu später Stunde ans Wasserloch kamen. Nach Bier und Wein hatte ich nicht so die Lust auf Fotografieren, verzeiht mir!

Tag 1 – Von frühmorgens 7.30 Uhr bis zum Sonnenuntergang um 17.18 Uhr. Dann schließen nämlich die Tore. Und wir waren wirklich just in time, puh!

Tag 2 – Diesmal hatten wir es sogar ein wenig früher geschafft, um kurz nach 7 Uhr waren wir unterwegs. Das hatte sich gelohnt – wegen den Löwen! Um 15.00 Uhr ging es dann auf den Heimweg nach Windhoek. Sind ja schließlich ca. 500-600km.

Die letzten Tage werde ich ganz gemütlich angehen lassen. Einkaufen, ein paar Fotos von Windhoek schießen, noch mehrere Male lecker Essen gehen und eventuell ein weiterer game drive auf einer Lodge. Mal sehen, noch habe ich ja fünf Tage. Langweilig wird’s mir bestimmt nicht. Insofern sage ich schon mal Tschüss, Servus und bis in spätestens einer Woche!!!

Ab nach Rundu

in den äußersten Norden Namibias. Gelegen am Okavango, der Grenzfluss zu Angola, ist Rundu mit geschätzten 72000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt. Jedoch kein Vergleich mit der Hauptstadt Namibias. Während Windhoek als Wirtschaftszentrum mitunter sehr europäisch geprägt ist, spielen in Rundu vielmehr die Landwirtschaft, Fischerei und Holzschnitzerei die bedeutendsten Rollen.

Der Grund unseres Besuches waren drei Workshops zweier Parteien, vom 22.-24. Mai. Aufgrund der Entfernung (in etwa 750km von Windhoek) mussten wir uns schon einen Tag eher auf den Weg begeben. An Board einer unserer Presenter, Hans, und meine Kollegin Tina. Ganz gemütlich und ohne viel Stress sind wir dann zu unserem Wochenendtrip in den Norden am Donnerstagmorgen gestartet. Die Strecke bis nach Otavi kannte ich schon, der halbe Weg wäre geschafft. Nächster Halt: Hoba, kurz vor Grootfontein. Wenn man schon so weit fährt, macht es auch keinen Unterschied mehr dem wohl größten, je auf der Welt gefundenen Meterioten Hoba einen Besuch abzustatten. Vor ca. 80000 Jahren soll der etwa 50-60t schwere Meteorit auf der Erde eingeschlagen sein. Sein Alter wird auf mehrere hunderte Million Jahre geschätzt und besteht hauptsächlich aus Eisen und Nickel.

Von Grootfontein waren es nur mehr 250km bis nach Rundu. Auf ungefähr halben Weg betraten wir die Kavango Region, hier endete das kommerzielle Farmland. Ab sofort galt: Tiere haben Vorfahrt. Die Asphaltstraße ist mittlerweile in einem guten Zustand im Vergleich zu den Jahren zuvor. Somit konnte man problemlos mit den erlaubten 120km/h fahren. Dennoch sollte man immer auf der Hut vor Ziegenböcken, Kühen oder sonstigen Tieren sein, die mit aller Seelenruhe über die Straßen schlenderten. African Time, you know…! Und sollte ein Vieh urplötzlich über die Straße flitzen wollen, waren die kleinen Kinder mit Holzprügel zur Stelle und haben das Tier wieder auf den richtigen Weg gewiesen. Zwar nicht gerade sanft, aber effektiv. Dass wohl hauptsächlich kleinere Kinder nach dem Vieh gesehen haben – ich schätze mal vier bis zehn Jahre alt – liegt wohl an der sozialen Struktur in dieser Gegend. Nicht zuletzt wird der Straßenrand von unzähligen Kraalen geschmückt, oftmals hinter der ersten Busch-/Baumreihe versteckt. Während man im übrigen Namibia vergeblich nach „richtig“ afrikanischen Behausungen sucht, wird man hier fündig. Der Kraal – eine traditionell afrikanische Siedlungsform, in der Regel kreisförmig und von einer Holzpalisade umgeben. Innerhalb findet man Holz-/Lehm-/Strohhütten für die Familie und ein Gehege für das Vieh. Oftmals war auch schon ein Stromanschluss vorhanden. Das wundert mich aber nicht, schließlich besitzt der Großteil ein Handy und muss ja irgendwie sein Gerät aufladen. Irgendwie war es schon ein komisches Gefühl mit dem Auto an den Siedlungen vorbeizufahren. Selbst sitzt man in einen modernen Gefährt und ein paar Meter weiter wird Material mit einem Eselkarren transportiert. Hier spielt sich das Leben noch auf eine andere Art und Weise ab, keine Frage. Dennoch bekommt man definitiv einen anderen Eindruck, als wenn man bisher nur in den Medien über Afrika gelesen oder gesehen hat.

Eine lange Fahrt ging dem Ende zu und so kamen wir schließlich nach Einbruch der Dunkelheit in Rundu an. Die Suche nach unserer Lodge, direkt am Okavango gelegen, war nicht weiter schwierig. Im ersten Moment kamen zwar Zweifel auf, weil die Sandstraße ziemlich schlecht war, unbeleuchtet und irgendwie ins Nichts zu führen schien. Jedoch kam nach etwa 15 Minuten die Erleuchtung – die Sarusungu Lodge. Den schlechten Zustand des Weges erklärte man uns wegen des Hochwasser im März und April. Darunter litt auch die Lodge selbst, die für über einen Monat zwecks Reparaturarbeiten geschlossen werden musste. Letzten Endes waren wir alle von der Autofahrt geschafft und das Bett ließ an diesem Abend nicht länger auf sich warten.

Gut geschlafen und erholt, erst einmal zum Frühstücksbuffet. Im Anschluß packten wir alles Notwendige ins Auto und fuhren zu dem Venue für den Workshop, gleich die nächste Lodge die Straße rauf. Schnell alles hergerichtet damit Hans mit der Präsentation loslegen konnte, die Teilnehmer waren inzwischen auch eingetroffen. Unser Part war für den Tag soweit erledigt. Hans hat uns für den restlichen Tag frei gegeben um ein wenig die Gegend erkunden zu können. Das haben wir genutzt und sind in Richtung Caprivi aufgebrochen, unser Ziel: Mahango Park, ca. 200km entfernt. Auf dem Weg lagen auch die Popa Falls, nur ein paar Kilometer vor dem Game Park. Die Popa Falls haben sich allerdings eher als Stromschnellen herausgestellt als irgendeine Art von Wasserfällen. Weniger spektakulär, sei’s drum! Der Mahango Park hatte auf jeden Fall mehr versprochen, vor allem nach den Berichten der Touristen, die wir am Vorabend in der Lodge angetroffen haben. Große Büffelherden, Löwen, Elefanten, Hippos – so ziemlich alles was es zu sehen gibt, sollen sie gesehen haben. Na wenn das nicht mal Hoffnung aufkommen lässt? Die Realität sah leider nicht ganz so rosig aus. Ok, ganze vier Elefanten haben wir gesehen, aber weder Büffel noch Löwe noch Hippo. Mal ausgenommen von den unzähligen Antilopen, die man überall im ganzen Land zu Gesicht bekommt. Immerhin, wenigstens ein paar Elefanten gesehen. Es lag wahrscheinlich an der unpassenden Zeit – Mittags – zu der wir den Park besucht haben. Wäre man in der Früh gekommen, hätte man bestimmt mehr Glück gehabt. Wäre, hätte – dabei bleibts aber auch. Trotz alledem war es ein schöner Ausflug. Gerade auch deswegen, weil wir ein Stück im Caprivi-Zipfel waren.

Zurück in unsere Lodge am frühen Abend, ließen wir den Tag in gemütlicher Runde ausklingen. Wie uns Hans erzählte, hätten wir im Grunde genommen gar nichts verpasst. Der Kurs war anscheinend nicht so erfolgreich. Die Teilnehmer waren anscheinend nicht in der Lage ein Catering zu organisieren. Und das schien deren größte Sorge zu sein. Schon irgendwie traurig. Erst recht, wenn ich es im Vergleich zu den vorherigen Workshops betrachte. Ich erinnere nur an den Ziegenbock, der geschlachtet wurde. So einfach hätte es gehen können, aber ne.

Neuer Tag, neues Glück. Heute waren wir bei dem Workshop mit von der Partie, mittendrin statt nur dabei. Jedoch mussten wir erstmal das Venue suchen. Die Suche gestaltete sich etwas schwierig, Straßennamen gibt es in Rundu nicht. Deshalb mussten wir immer wieder unsere Kontaktperson mit dem Handy anrufen und uns die Anfahrt anhand von irgendwelchen Gebäuden oder markanten Punkten erklären lassen. Spätestens nachdem eine Person winkend am Straßenrand, mit dem Handy telefonierend in unsere Richtung blickte, war die Location gefunden. Zu aller Überraschung waren die Kursteilnehmer noch überpünktlich. Hallo? Wir sind hier doch in Afrika, african time? Na gut, das zeugte von einer motivierten Gruppe. So soll es dann auch gewesen sein. Eine aktive, interessierte und engagierte Gruppe. Committed members, wie man so schön sagt. Nachdem Hans der Workshop am Vortag schon fast gestunken hat, sah es hier ganz anders aus. Selbst das Catering stellte kein Problem dar, zwei coffee breaks und eine lunch time, alles überpünklichst organisiert. Zu unserer Freude gabs Mahango pap mit wahlweise Ziege oder Huhn, ein ganz einheimisches und klassisches Essen. Gegen vier Uhr war Teil 1 des Kurses geschafft, mehr folgte am nächsten Tag. Den Abend verbrachten wir abermals in der Lodge. Nach dem ein oder anderen Gin Tonic – soll ja gegen Moskitos helfen, weil Rundu=Malariagebiet – vergnügten wir uns mit unzähligen Runden Billiard. Auf jeden Fall ist es doch etwas später geworden und am nächsten Morgen wollte keiner von uns gerne aufstehen. Dagegen war nichts zu machen. Raus aus den Federn und schnell Frühstücken. Schließlich warteten die participants schon ganz ungeduldig auf die Fortsetzung des Kurses. Ehrlich gesagt hat mich es gewundert, dass selbst am Sonntag alle erschienen sind. Von vergangenen Workshops war ich anderes gewohnt. Gläubig waren sie dennoch, wie man unschwer am Gebet vor und nach dem Kurs merkte. Nach der obligatorischen Schlacht um die Bücher – ja, in diesem Moment haben glaub die Meisten vergessen, dass sie in einer Partei sind und eigentlich zusammenarbeiten?! – neigte sich nicht nur der Workshop, sondern zugleich das Wochenende einem Ende mit positivem Fazit zu. Als Krönung buchten wir für diesen Abend einen Sundowner Bootstrip auf dem Okavango. Bilder sagen mehr als 1000 Worte. Besonders bei einem Bild genau hinsehen, Krokodil im Gebüsch!

Zum Abschied mussten wir natürlich nochmal einige Runden Billiard einlegen. Zu unserem Schock war plötzlich der Gin alle und das letzte Tafel Lager ging über den Tisch. Wenn man bedenkt, dass wir am nächsten Tag wieder zurück nach Windhoek fahren mussten, war das nicht weiter schlimm. Schweren Herzens war der Abschied am nächsten Morgen, waren es zweifellos vier wirklich schöne Abende in der Sarusungu Lodge. Die kann auf alle Fälle weiterempfehlen. Bevor wir uns endgültig auf die lange Rückfahrt antraten, sollten wir noch ein neues Büro von einem unserer Partner ansehen. Mit der Wegfindung war das wieder so eine Sache, mehr herumgeirrt als mit einem Ziel vor Augen. Selbst die Einwohner wussten manchmal nicht so recht Bescheid. Also wieder telefonieren und irgendwann haben wir das noch im Bau befindliche Office gefunden. Auftrag ausgeführt, jetzt aber ab nach Hause. Am späten Abend sind wir schließlich sicher in Windhoek angekommen.

Und wenn sich nun einer fragt, was ich die Woche vor/nach dem Wochenende in Rundu getrieben habe, bitte:

Die Woche zuvor: Man kann es fast ahnen! Ich war natürlich im Büro und bin meinen Aufgaben nachgegangen. Was sonst :)? Abends war ich  ab und zu unterwegs. Nicht vergessen: jeden Dienstagabend n bissl Sport und anschließend ins SKW zum Knobeln :D. Zudem hatte am Samstag mein landlord Geburtstag, ist etwas später geworden…

Die Woche danach: Zusammen mit Tina hab ich an dem Business Simulation Programme teilgenommen, das von unserem Partner IMLT (Institue for Management and Leadership Training angeboten wurde. Über insgesamt vier Tage wurde sowohl die Theorie als auch letztendlich die Praxis, in diesem Falle eine Simulation (entwickelt und lizenziert von deutschen Studenten), behandelt. Vorkenntnisse waren zum Glück nicht notwendig. Als relativ unwissend im Bereich Business hab ich somit ein wenig Wissen mitnehmen können, vor allem die ganzen Fachausdrücke in Englisch. Besonders die Simulation fand ich gut. Fünf Teams spielten gegeneinander. Zu Beginn konnte man sich zunächst zwischen cost und technical leadership mit seiner „Firma“ platzieren und einen Businessplan aufstellen. Im Weiteren Verlauf trat man direkt gegen die anderen Teams an, insgesamt galt es sechs Perioden zu planen (eine Periode stellte ein halbes Jahr dar). Nach jeder Periode gab es eine kleine Besprechung mit umfangreichen Diagrammen, Tabellen und alles was so dazugehört. Ich hätte es zwar nicht für möglich gehalten,  habe ich doch tatsächlich zusammen mit meinem Partner den größten Profit erwirtschaftet. Darauf will ich mir aber gar nichts einbilden, vom Business lass ich lieber trotzdem meine Finger *gg*. Am Wochenende war ich bei unserer Sekräterin, der Annegret, auf der Farm. Weil das Wild gezählt werden musste, sind wir kreuz und quer über die Farm gebrettert. Und weil Annegret fährt wie sie fährt, wars manchmal wie Achterbahn fahren, ungelogen! Schön wars allemal, zumal wir am Samstagmorgen viel Wild gesehen haben.

Was ansteht: Für dieses Wochenende sind drei Workshops im Kalender eingetragen. Freitag in Kalkfeld, Samstag in Tsumeb und Sonntag in Grootfontein. Ich bin ja mal gespannt, wie die Teilnehmer sind, ob das Catering klappt und so die üblichen Dinge eben, bla blub :)

Bis bald,

Frank

P.S.: Das war wahrscheinlich der vorletzte Eintrag, bevor es wieder in Richtung Heimat geht!