Es ist Freitag am frühen Morgen, Wolfgang (mein Chef) erteilt mir die letzten Anweisungen für die nächsten Tage. Was mich genau erwarten wird, wusste ich selbst nicht. Soweit ich das aber mitbekommen habe, soll ich ein Ehepaar begleiten, das sich für Kinderhilfe in Namibia engagiert. Wie ich später herausfand, sind die beiden bei der Organisation Kiwanis aktiv. So weit, so gut.
Gegen Mittag haben wir dann das Auto abgeholt, mit dem ich die nächsten Tage meine Passagiere durch die Gegend kutschieren durfte. Um halb 3 habe ich das Ehepaar Katz am Flughafen abgeholt. Einzigst deren Gepäck kam nicht dem Flugzeug aus Johannesburg an, sollte dann aber mit der nächsten Maschine eintreffen. Währenddessen waren wir dann schnell in Windhoek und haben eine Kleinigkeit gegessen. Zurück am Flughafen gegen 16.30 Uhr fehlte vom Gepäck noch immer jede Spur. Laut Auskunft der Airline hätte man keine Ahnung, wo sich die Koffer zur Zeit befinden. Unglücklicherweise standen wir aber etwas unter Zeitdruck, da wir noch am selben Tag eine längere Strecke zur Farm Aberfelde zurücklegen mussten. So machten wir uns um 17.00 Uhr auf den Weg, etwa 320 km galt es zu bewältigen. Eigentlich nicht viel, allerdings wusste man ja nicht wie das Wetter wird und Fahren bei Nacht ist wegen dem Wildwechsel nicht ganz ungefährlich. Das erste Stück über Windhoek nach Okahandja lief einwandfrei. Auf dem Weg nach Otjiwarongo fuhren wir dann mitten in eine dicke Regenfront. Der Scheibenwischer war sichtbar überfordert. Zu meinem Glück ging die Straße zu 99% immer geradeaus. So hab ich wenigstens nicht im Schneckentempo fahren müssen, falls ich nur ungefähr die Straßenkonturen erkennen konnte. Keine Angst, alles unter Kontrolle *gg*! Schließlich hab ich uns sicher zur Farm gebracht. Zwar haben wir uns einmal ein kleines Stückchen verfahren, da wir eine Abzweigung nach einer Eisenbahnbrücke, nachdem es schon dunkel war, verpasst haben. Aber diese Pseudo-Eisenbahnbrücke war beim besten Willen Nachts nicht zu erkennen (Pseudo deswegen, weil unter dieser Brücke irgendsoeine Miniatur Eisebahnschiene verlief). Zum kulinarischen Einstieg und gleichzeitigem Ausklang des Abends servierte uns der Farmer Herr Gomoll einen 50cm langen Schaschlik-Spieß frisch vom Grill, zubereitet mit besten Wildfleisch (Kudu) von der Farm.
Am nächsten Tag machten wir uns in aller Früh auf den Weg zum etwa 120 km entfernten Waterberg, ein markanter Tafelberg. Dieser ist bekannt für die Schlacht der deutschen Schutztruppe gegen das Volk der Herero im Jahre 1904.
- Der Waterberg
- Ausblick vom Waterberg
- Klippschliefer
- Skarabäus
Am späten Nachmittag kehrten wir nach Aberfelde zurück. Eigentlich stand noch eine Farm Rundfahrt auf dem Tagesprogramm, doch eine Regenschauer hinderte uns daran. Die Zeit bis zum Abendmahl ging dann irgendwie vorbei. Auch diesmal gabs wieder reichlich zu Essen. Zum Einstieg eine Boerewors (eine aufgerollte Bratwurst). Als Nächstes ein Lammfleisch, auch sehr lecker. Und zum Abschluß nochmal Verschiedenes vom Kudu. Irgendwann musste ich kapitulieren, es ging einfach nichts mehr rein. So ging ich dann relativ früh schlafen.
Ein neuer Tag brach an, Sonntag, kurz nach Sonnenaufgang. Es war zwar etwas bewölkt, aber das Wetter war gut genug um auf die Farm rauszufahren. Mittlerweile traf auch das vermisste Gepäck auf der Farm ein, glücklicherweise unversehrt. Nach einem schnellen Frühstück fuhren wir dann mit dem Jeep los. Zusammen mit Herrn Friedel, Hobby Jäger und ein guter Freund des Farmbesitzers, war ich etwa 2 Stunden auf einem Jagdstand auf der Lauer nach Tieren. Bis auf ein paar Vögel und ein Erdmännchen war nichts zu sehen, schade. Wenigstens lief auf der Fahrt immer wieder mal ein Kudu über den Weg. Leider waren die Tiere immer so vorsichtig dass ich kein Bild machen konnte. Um wenigstens nicht ganz leer auszugehen, fing ich mit meiner Kamera einen mächtigen Termitenhügel ein. Solche Termitenhügel findet man eigentlich fast überall in Namibia, oftmals mehrere Meter hoch. Gegen Mittag waren wir von unserem kleinen Trip zurück. Die Zeit bis zum Essen nutzte ich, um ein wenig die Farm zu fotografieren, u.a. auch das Haustier, ein Pfau.
Dass es auch diesmal Fleisch gab, muss ich glaub nicht erwähnen. Schmackhaft zubereiteter Rinderschmorbraten bis zum satt werden, was braucht man mehr? Richtig, ein kühles Bier dazu. Außerdem ist Wolfgang an diesem Tag zu uns gestoßen, bisher war ich ja nur mit Frau und Herr Katz unterwegs. Am Nachmittag begaben wir uns mit zwei Autos auf den Weg zur Farm Sachsenheim. Herr Gomoll und Friedel, die sich u.a. bei Kinderhilfe Namibia engagieren, fuhren bei Wolfgang mit. Die rund 270 km liefen wie von selbst, das Wetter bereitete diesmal kaum Probleme. Nur in Tsumeb hatten wir einen kurzen Aufenthalt. Glück hatten wir auch, als vor uns ein LKW fuhr und wir im Moment nicht überholen konnten. War doch links im Gebüsch die Polizei mit der Radarfalle. Mein Vordermann legte nämlich ein gutes Tempo vor. Nur zur Info, erlaubt sind hier 120 auf den Straßen. (Auf den Asphaltstraßen natürlich; auf den Pads sollte man deutlich langsamer fahren)
Am Montag besuchten wir zunächst zwei Primary Schools, bei einer sollte ein Kindergarten übergeben werden. Wegen dem regnerischen Wetter in letzter Zeit ist das Gebäude aber leider nicht ganz fertig geworden. Die Anfahrt zu den beiden Schulen war relativ problemlos, nur ein paar Kilometer Sandstraße. Dabei begegneten uns immer wieder Schüler, die gerade auf den Weg zur Schule waren. Ein Fußmarsch von teils mehreren Stunden am Tag gehört hier zum Alltag.
Auf dem Weg zur nächsten Schule ging es dann irgendwann nicht mehr weiter, der Pfad war einfach unpassierbar. Der Regen hatte den Sandstraßen in den letzten Wochen sehr zugesetzt und die Gebiete waren stellenweise ziemlich überschwemmt. Und wie es das Schicksal so wollte, fuhr Wolfgang irgendwie einen Platten. Reifenwechsel im Busch, da packte selbst der Schulleiter mit an, den wir ein Stück mitgenommen haben. Die Schrauben waren aber so fest angezogen, dass wir zunächst mit dem Platten weiter gefahren sind. Im nahe gelegenen Ort kümmerte sich dann die örtliche Werkstatt um die Reifenpanne. Somit endete hier das offizielle Programm, alles war jetzt etwas durcheinander geraten. Die Schule sollte doch aber gespendete Güter erhalten. Kurzerhand haben wir diese dann 50 km weiter, nach Absprache mit dem Schulleiter, im nächsten Ort hinterlegt. Im Weiteren war jetzt unklar, ob wir noch den Besuch einer letzten Schule, eine Combined School, riskieren sollten. Laut einem Lehrer, der uns begleiten sollte, seien es nur etwa 7 km durch den Busch. Es waren aber eben 7 namibische Kilometer, am Ende zählten wir nämlich 25 km. Und die Strecke hatte es in sich. Ohne 4×4 ging hier gar nichts, die Wassersstellen war an manchen Abschnitten über einen halben Meter tief. Und ich war Fahrer, juhu! An einer Passage bin ich mit etwas zu viel Schwung rein und das Wasser schwappte voll über die Motorhaube. Das ging aber noch gut aus, hätte aber auch anders laufen können. Ansonsten hab ich das ganz gut gemeistert. Letztendlich war es ja auch ein Heidenspaß in der Pampa zu fahren. Und die ganze Tortour hatte sich auch gelohnt. Die Schule freute sich wahrlich über die Unterstützung. Als Dankeschön performte sogar die Tanzgruppe der Schule, einmalig sag ich euch! Ein erlebnisreicher und eindrucksvoller Tag ging zu Ende.
Dienstag stand ganz in Rahmen des Etosha National Park. Frühmorgens kamen wir am östlichen Eingang Namutoni an und hatten nun den ganzen Tag Zeit, um die etwa 140 km durch den Park entlang der Etoshapfanne bis nach Okaukuejo zurückzulegen, mit einem Stop in Halali. Schönstes Wetter hatten wir tagsüber. Das änderte aber nichts daran, dass leider einige Nebenwege gesperrt waren, eben wegen des vielen Regens. Dies hatte auch zur Folge, dass die Tiere manchen Wasserstellen fern blieben weil es überall ausreichend Wasser gibt. Trotzdem lief uns so einiges über den Weg, wenn wir auch Elefanten, Löwen und Nashörner vermissten. Jedoch hoffe ich, dass ich in der Trockenzeit mal die Gelegenheit habe, nochmals in den Etosha National Park zu fahren. Alles in allem ein schöner und sonniger Tag.
Mittwochs traten wir dann die Rückreise nach Windhoek an. Diesmal hatte ich schon wieder Glück. Vor mir ist einer in die Radarfalle gefahren und ich konnte noch rechtzeitig abbremsen. Die standen aber auch ziemlich fies, nach einer Kuppel die Straße abwärts. Da lässt man es gerne mal ein wenig laufen … Allgemein muss ich auch sagen, dass die Straßen hier zum schnell fahren verleiten. Meistens geht’s kilometerlang schnurstracks gerade aus, die Kurven sind meist sehr lang gezogen. Und seltsamerweise ist der Druckpunkt vom Gaspedal bei etwa 140 sehr angenehm. What shalls, bisher hab ich noch nicht zahlen müssen. Am Abend waren wir nochmal gemeinsam essen bei Joe’s Beerhouse. Als Schmankerl kam diesmal neben Chicken, Kudu & Co auch ein Stückchen Krokodil auf den Teller. An das Essen hier kann man sich wirklich gewöhnen.
Wie die Zeit vergeht, schon wieder Donnerstag. Nachdem ich meine beiden Begleiter wieder am Flughafen abgesetzt habe, sollte es eigentlich ein relativ ruhiger Tag werden. Abends hätte ich dann mal endlich Zeit um meine Fotos zu bearbeiten. Doch wie ich dann erfahren durfte, war für den nächsten Tag ein Seminar in Talismanis (im Gebiet des Herero Volkes) angesetzt. Das liegt in etwa 420 km östlich von Windhoek, nahe der Grenze zu Botswana, mitten im Nirgendwo.
Hier möchte ich noch kurz einschieben, welche Art von Seminaren die HSF anbietet. Generell dreht sich alles um management & leadership training. Auf Grund der anstehenden Präsidentschaftswahlen in diesem Jahr liegt zur Zeit der Schwerpunkt bei der politischen Bildung. Jene Seminare können von allen Parteien völlig kostenfrei angefordert werden. Man will damit erreichen, politisches Verständnis und gewisse Fähigkeiten zu vermitteln. Aber nicht in etwa das Parteiprogramm einer Partei zu diskutieren. Sozusagen völlig neutral. Die Seminare bewegen sich eher auf niedrigem Niveau weil einfach die Grundlagen fehlen. In der Schule hatte man sowas nie gelernt, selbst die Verfassung kannte man bis dato nur vom Hörensagen.
Am selben Tag begab ich mich noch zusammen mit einem unserer Trainer Hans auf den Weg dorthin. Die Nacht verbrachten wir in der Zelda Lodge, bei der wir am nächsten Tag abgeholt wurden und über die 160 km Pad Straße bis nach Talismanis fegten.
Das Thema des Kurses an diesem Tag: Leadership training – Establishment of local party branches. Das beinhaltete auch einen kleinen Einstieg in die Grundlagen der Poltik, bspw. die Definition von Demokratie oder auch die SWOT analysis der eigenen Partei (Strengths, Weaknesses, Opportunities, Threats). Dort angekommen, baute ich erstmal Notebook und Beamer auf und richtete noch verschiedene Unterlagen her. Ja, Strom gab es dort. Der war auch wichtig für die örtliche Dorf-Disse, aus der schon am Mittag laute, basslastige Musik tönte. Dort begegnete mir auch gleich der Dorftrottel, also außerhalb der Kneipe. Rein gegangen bin ich da nicht. Aber dazu gleich mehr. Auf alle Fälle sollte das Seminar gegen 9 Uhr beginnen, wegen ein paar Verzögerungen haben wir das auf 10 Uhr korrigiert. Die Bewohner interessierte das aber reichlich wenig. Immer wieder verschwanden ein paar und tauchten eine Weile später wieder auf. Bis um 12 Uhr trudelten so die Letzten ein. Der Gedanke lag nahe, dass einige wohl nur wegen dem Essen gekommen sind. Und nein, die waren keineswegs unterernährt, manchmal eher das Gegenteil. Bei einigen Teilnehmern hatte man auch den Eindruck, dass die nur Bahnhof verstanden haben. Damit meine ich jetzt die mitgeschleppten Buschleute, die Sklaven der Herero, die offensichtlich weder schreiben noch lesen können. So wie ich das richtig mitbekommen habe, lassen sich deren Stimmen bei Wahlen auch recht einfach mit einem Essen kaufen. Eine traurige Angelegenheit, wie ich finde. Jedenfalls war es dann bald Mittagszeit. Die Essen musste von der Partei selbst organisiert werden, die Kosten mit einem bestimmten Tagessatz übernahmen wir. Ich war dann noch kurz bei der Wirtschaft, welche für die Teilnehmer gekocht hat und habe nach dem Rechten gesehen. Das warme Fleischgericht sah wirklich ordentlich aus, da konnte man nicht meckern. Und als ich eben in der Wirtschaft war, lief mir dieser Typ, ich betone Typ, über den Weg. Halb verfaulte Zähne, modrige Kleidung, bestialischer Gestank und eine Alkoholfahne die schon von weit her roch. Dann fing er auch noch an, mich in einem einigermaßen verständlichen Englisch vollzujammern. „Iam supposed to …“, ja ja, er wäre ja so gerne ein Weißer und zeigte mit seinen Schmutzfingern auf meine Haare, „I should have …“! So ging das weiter bis er auch noch nach Geld für Zigaretten bettelte, nachdem ich meine zwei Coke bezahlt habe. Nichts dergleichen gab ich ihm. So spielt hier die Musik. Freitag Mittags schon rotzbesoffen. Das war aber wirklich nur die Ausnahme. Die meisten Leute hier sind nett und freundlich. Meist tragen auch alle saubere und ordentliche Kleidung, ganz egal ob im Busch oder in der Stadt. Nicht das hier noch ein falsches Bild entsteht. Ein Handy hat hier fast jeder, das mag man gar nicht glauben. Mitten im Busch kann man durchaus einen Shop für Prepaid Karten finden, meist nicht unweit von den Meter hohen gestapelten Bierkisten entfernt. (Als kleine Information am Rande: Telefonieren kostet etwa 15 Cent/min, eine SMS verschicken 3 Cent) Aber wie gesagt, das war nur der Dorftrottel so wie ich mir das hab sagen lassen. Der Kurs war dann gegen etwa 16 Uhr zu Ende. Einige scheinen wirklich was gelernt zu haben, das hat man doch deutlich gemerkt. Bevor die Teilnehmer mit reichlich Lesematerial nach Hause gehen durften, sollten sie noch einen Evaluierungs Bogen ausfüllen. Die Kommentare waren mal wieder typisch für die Hereros. Hatten die sich doch überwiegend über das Essen beschwert. Man solle doch mehr Geld dafür ausgeben, am Besten bar in die Hand! Über den eigentlichen Kurs fielen nur wenige Worte. Mir fehlt hier jederlei Verständnis, euch geht es bestimmt genauso. Nichtsdestotrotz ging ein wirklich interessanter Tag zu Ende, auch wenn man über manches noch Stunden später nachgrübelte. Gegen 23 Uhr waren wir dann nach einer langen Heimfahrt wieder zurück in Windhoek.
Gestern fand ein Weiteres Seminar für eine Partei direkt hier in Windhoek statt. Mit einem ähnlichen Thema, democracy in Namibia, aber einem höherem Niveau. Das lag zweifelsohne an den Teilnehmern. Mit einer regen Beteiligung am Kursgeschehen entwickelten sich lebhafte Diskussionen, ganz zur Freude des Trainer Dr. Hartmann. Man merkte doch deutlich, dass die Anwesenden Verständnis für die Materie hatten. Über das Essen meckerte diesmal kaum einer.
Zwei Tage, zwei unterschiedliche Kurse aber beide Male sehr interessant. Die Teilnehmer haben eine Menge Wissen mitgenommen, das ist keine Frage. Damit ihr euch das besser vorstellen könnt: Erinnert euch einfach an Sozialkunde Unterricht in der 9./10. Klasse. Im Prinzip war das nichts anderes. Ist auch kein Wunder, wenn all die Jungpolitiker das in der Schule nie gelernt haben.
Heute genieße ich meinen freien Tag und werde ausgiebig auf der faulen Haut liegen. Ein wenig Entspannung brauch ich schließlich auch.
Der nächste Bericht kommt bestimmt bald,
Frank























Hey Frank!!!
Gigantische Fotos….Wahnsinn!!
lg
Kerstin
Hey Bruder
Wirklich fantastische Bilder.
Hi Frank,
wirklich sehr interessant. Erzähl so weiter, bin gespannt auf die nächsten Geschichten…
wirklich tolle Tierbilder